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7 Fehler die TexterInnen regelmäßig falsch machen und wie du sie leicht verhindern kannst. (Teil 1)

Das Werbegebell als TexterIn nicht mehr funktioniert, haben die meisten verstanden.

Also wird es anders versucht. Leider scheitert es oft an anderen Fehlern. Was hilft es dir wenn du zwar nicht verkäuferisch schreibst und dennoch alle Regeln für gute Texte ignorierst. Die Bestrafung: Dein Text wird nicht gelesen. Er wir kurz gescannt und unter langweiliger als die morgendliche Zahnputz-Routine abgewertet. Wenn du das verhindern willst, solltest du jetzt genau lesen:

1. Fehler: Ausgelutschte Sprichwörter

Wir alle kennen sie: Sprichwörter. Hier meine Top-Dreizehn-Niemals-Verwenden-Liste:

  1. Der Glaube kann Berge versetzten
  2. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm
  3. Wo ein Ziel ist, da ist auch ein Weg
  4. Ausnahmen bestätigen die Regel.
  5. Aller Anfang ist schwer.
  6. Wer rastet der rostet.
  7. Aller guten Dinge sind drei.
  8. Jeder ist seines Glückes Schmied.
  9. Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul
  10. Man sägt nicht den Ast ab auf dem man sitzt
  11. Reden ist silber, schweigen ist gold
  12. Viele Köche verderben den Brei
  13. Von nichts kommt nichts.

Ok, es ist mir wirklich sehr schwer gefallen, mich nur auf 13 (ob die Zahl eine diabolische Macht besitzt?) zu beschränken. Ich habe versucht die Ekelhaftesten rauszusuchen. Es gibt etliche Listen davon im Internet. Und du und ich kennen sie alle. Und genau da liegt das Problem. Niemand, wirklich niemand will sowas mehr lesen. Niemals. Schon gar nicht in wirkungsvollen und interessanten Texten. Selbst wenn sich als Brücke in deinem Text anbieten. Lass es. Sie wirken wie schlechte Flachwitze. Keiner findet den Witz lustig, außer der Erzähler und alle fassen sich an den Kopf und schämen sich fremd. Was kannst du also tun, wenn dir ein Sprichwort einfällt, was gerade super passt?

Benutze er erstmal als Platzhalter. Markiere es sehr deutlich. Damit du es hinterher nicht den Fehler machst, es stehen zu lassen. Vor allem beim ersten schreiben deines Artikels ist es wichtig, erstmal nur zu schreiben. Korrigieren kannst du später. Wenn dir also nicht sofort was besseres einfällt, dann schreib es erstmal. Besser als deinen Arbeitsfluss zu unterbrechen. Und sobald du deinen Text überarbeitest, änderst du das Sprichwort ab. Wie kannst du ein Sprichwort ändern? Das zeige ich dir jetzt:

Spiele mit dem Sprichwörtern: Übertreibe bewusst, verändere sie oder kehre sie um. Bringe deinen Leser dazu, überrascht zu sein. Auch deine Leserin erwartet wieder das langweilige Sprichwort was sie schon kennt. Und dann passiert es, die Bedeutung ist anders. Und zack sind die Leser voll bei dir, weil sie damit nicht gerechnet haben. Perfekt. Du hast was unerwartetes getan und deine Leser danken dir, in dem sie weiter lesen. Sei ehrlich zu dir, einfach nur Sprichwörter zu kopieren um deinen Text mehr Volumen zu geben, ist nicht das was du wirklich willst? Siehst du, sei keine Kopie, sei ein Original. Hier noch ein paar Beispiele wie du das anstellst.

1. Bedeutung behalten.

Als Beispiel: “Reden ist silber, schweigen ist gold”. Soviel Warheit auch manchmal darin steckt. Tu es bitte nicht. Lass dir was besseres einfallen wie: “Reden ist gut, schweigen ist besser.” oder “Wenn Reden silber ist und Schweigen gold: dann kombniere ich beides klug für ein besseres Perfomance-Portfolio.” Andere Idee: “Wo ein Ziel ist, da ist auch eine Straßenbahn” Perfekt für Straßenbahnwerbung. Versuche was neues daraus zu machen. Behalte die Bedeutung bei, ersetze manche Wörter durch Neue. Und kreiere dein eigenes Sprichwort.

2. Bedeutung übertragen.

Als Beispiel: Viele Köche verderben den Brei. Die Kernaussage ist klar, also spiele mit ihr. Pass es z.B. auf deine Branche an: “Viele Ingeneure verbauen das Auto” oder “Viele Musiker sind noch keine Band.” Du überträgst die Bedeutung auf deine Branche, Firma, Interessen oder was auch immer du willst.

3. Bedeutung umkehren.

Die Bedeutung umkehren ist schwieriger aber je nach Situation bietet es sich vielleicht an. Wobei es manchmal einen beleidigenden Touch bekommt. Ein Beispiel: “Der Apfel fällt manchmal doch weiter vom Stamm”. Ja das ist nicht sehr nett. Aber kann durchaus wahr sein. Du kannst es ja auch in einem anderen Kontext verwenden. “Von viel kommt viel”, finde ich sehr schön. Dadurch wird das Sprichwort positiv gebraucht und bringt ein kleines Lächeln ins Gesicht, vor allem denen die sehr fleißig sind. Also versuche bewusst, alte Sprichwörter neu zu gestalten. Somit entkommst du eine Fehler-Falle, schauen wir uns die Nächste an.

2. Fehler: Fakten, Fakten, Fakten.

Ich mag Zahlen und Fakten: In Maßen. Wenn ich mir also eine neue vollautomatische Kaffeemaschine kaufe, will ich einiges wissen. Aber sicher nicht:

  • 8.000 Watt
  • 3 Sekunden zum Erhitzen
  • 50 Liter Wassertankvolumen
  • 10.000 Tassen am Tag

Ja ich habe bewusst übertrieben. Manche Fakten interessieren mich schon. Natürlich will ich wissen was die Maschine an Strom verbraucht und wieviel Kaffee die am Tag kann. Aber was will noch viel mehr wissen?
Wie erleichtert es mir die Arbeit? Geht es schnell einen Kaffee zu machen? Kann ich meinen Lieblingskaffee darin machen? Ich möchte wissen wie es duftet wenn der Kaffee aus der Maschine läuft. Vorher das Knacken wenn die Bohnen ins Mahlwerk plumpsen und der Dampf aufsteigt. Ich will ein Erlebnis was zu meinem Alltag passt.
Schreibe nicht einfach Fakten auf, die gehören aufs technische Datenblatt, sondern erfinde Erlebnisse. Arbeite Vorteile für deinen Kunden heraus die auf Alltagssituationen passen. Darauf erstmal einen Kaffee gemacht :).

3. Fehler: Selbstvergöttlichendes Unternehmen.

Ok du bist gar nicht der Fakten-Typ? Dann gehörst du vermutlich in die Selbstverherrlichungsschiene? Sätze wie:

  • Wir geben stets unser Besten (Aber was genau ist das?)
  • Unserer Unternehmen besteht bereits seit 1789. (Ob die Mitarbeiter auch so alt sind? Müssten die nicht längst in Rente sein?)
  • Unser Service ist immer für Sie da (Mhh, vielleicht mal nachts um 3 anrufen)

Versteh mich nicht falsch, natürlich kannst du der Beste sein. Und dein Unternehmen kann uralt sein. Dein Service soll sogar perfekt sein. Deine Kunden lesen aber nur “Wir geben” oder “Unser Service.” Der Fokus liegt nicht beim Problem der Kunden, sondern das Unternehmen hat sich in den Vordergrund gedrängelt. Und genau das liegt der Fehler. Im Internet gibt es keinen Grund wie bei Aldi an den Angebotskörben sich nach vorne zu quetschen um noch das letzte Schnäppchen zu ergattern. Den genau das tust du, wenn du so schreibst. Dein Unternehmen ist automatisch wichtiger als dein Kunde oder deine Leserin. Was kannst du also tun, um das zu vermeiden?

Wechsel die Perspektive. Ja das hast du schon oft gelesen und dennoch sind die Sätze wie oben rausgekommen. Also 3 wirklich einfache Ideen das zu vermeiden:

1. Niemals: ich, mein, wir, unser am Anfang.

Quasi das leichteste um sich abzugewöhnen von sich selbst zu reden, ist die Wörter nicht mehr am Anfang zu benutzen. Kein wir. Kein ich. Und auch kein Unser und kein mein. Und jetzt fragst du dich, wie du dennoch schreiben kannst das ihr die Besten seid? Spreche deine Leser direkt an. Beispiele gibt es am Ende.

2. Versuche Vorteile herauszuarbeiten.

Zeige deinen Kunden dass es Vorteile hat mit dir zusammen zuarbeiten. Nicht einfach sagen wie lange das Unternehmen besteht, der Jahrgang mag ja bei Wein eine Rolle spielen aber bei Unternehmen zählt: Qualität vor Quantität. Also mit der langen Unternehmensgeschichte muss sich ein grandioser Vorteil herausstellen, warum ich als Kunde zu dir soll. Nutze den.

3. Deine Kunden herausfordern.

Manche deiner Leser werden denken, “Das kann ja jeder behaupten. Ich will Beweise”. Und genau da setzt deine Strategie an. Fordere sie einfach heraus. Du hast die besten Messer, dann wetze deine Klinge und gibt deinem Kunden das Messer selbst in die Hand. Dann kann er selbst testen ob es so scharf ist wie du behauptest. Im besten Fall schneidet er sich, so wird er deine Aussage niemals in Frage stellen. Auch wenn deinem Kunden erstmal weh tut. Aua.

Nun kommen wir zu den versprochenen Beispielen. Schreib einfach:

  • Du suchst ein Unternehmen was die Technik über Jahrzehnte präzisiert hat? Schau auf unserer Technik-Seite dort zeigen wir dir, was wir anders machen und dadurch schneller und besser sind.
  • Für dich geben wir unser Bestes, damit du dich um deinen Kram kümmern kannst.
  • Du willst uns testen? Sehr gerne, unseren Service erreichst du jederzeit unter: 0123456789.

Du siehst, die Kernaussage ist die gleiche. Aber anders formuliert, sodass sich deine Kunden auch wirklich angesprochen und ernst genommen fühlen.

Ich weiß niemand redet gerne über Fehler. Dabei sind sie so immens wichtig besser zu werden. Verrätst du mir einen, den du mal gemacht hast? Oder fehlt ein ganz wichtiger? Schreib mir in den Kommentaren.

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Deine Désirée

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