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7 Fehler die TexterInnen regelmäßig falsch machen und wie du sie leicht verhindern kannst. (Teil 2)

In Teil 1 hast du drei der sieben Fehler kennengelernt.

Selbstliebe ist wichtig, zu viel davon giftig. Fakten sind interessant, aber nicht so sehr, wie du denkst. Und die guten alten Sprichwörter sind abgegriffen. Deswegen sind sie ja alt. Und nun gehen wir zu den nächsten Fehlern über die du meiden solltest wie ein Virus. Natürlich bekommst du ein paar Ideen, wie du es besser machen kannst. Lass uns starten.

4. Fehler: Beamtensprache.

Mir ist gar nicht klar, was ich dazu schreiben soll. Beamtensprache ist exakt das, was im Deutschunterricht gelehrt wird. Die armen Schüler.

Es gibt so wundervolle Wörter und dennoch werden sie gedrillt “korrekt” zu schreiben. Und das führt zu schwer lesbaren Texten mit massivem Nomenaufkommen. Selbst eine einfache Zusammenfassung wird zu einem schweren Brocken und liest sich wie das BGB. Versuchen wir also kurz zu analysieren, was diese Sprache ausmacht und wieso sie so schwer ist wie ein Blauwal.

Nomen oder wie ich es gelernt habe: Hauptwörter

Sie enden auf –heit, –keit, –ung. Nomen schaffen es aus Aktiv Passiv zu machen. Ich kann schreiben: “Zur Versendung eines Briefes beauftragte ich das Postamt” oder kurz “Ich versende einen Brief per Post.” Ja, der Satz ist nicht sehr geschickt, soll dir aber zeigen, wo aktiv und passiv sich unterscheiden.

Nomen sind nicht per se schlecht, aber sie machen deinen Text unnötig komplex. Und deswegen wird dein Text sooo langweilig. Du schreibst automatisch besser, wenn du dir angewöhnst Nomen durch Verben zu ersetzen. Dadurch wird es zwar häufig sogar mehr Text, dieser ist dafür aber auch 1002-mal besser. Das bringt deinen Lesern viel mehr Spaß und lockert den Text.

9-Zeiler-Sätze

Auch das ist typisch Beamtensprache. In der Schule haben wir gelernt, nach jeder Information einen Punkt zu setzten. Leider versuchen aber viele Texter, alle wichtigen Infos in einen Satz zu drücken. Egal wie, das muss da rein.

Und dabei entstehen Sätze über mehrere Zeilen, die gehen als ganzer Absatz durch. In dem Fall gilt wirklich:

Weniger ist besser leserlich.

Du brauchst keine Angst haben, natürlich darfst du auch längere Sätze schreiben. Aber achte darauf, dass sie nie mehr als zwei Zeilen einnehmen. Dann hast du sicher mehr als eine Information drin stehen und kannst ihn kürzen.

Gewöhne dir an, lange und kurze Sätze abwechselnd zu schreiben. Ob lang, lang, kurz oder andersherum spielt keine Sache. Wichtig ist, nie zu lang und immer den Rhythmus wechseln. Hilft auch bei anderen Dingen im Leben.

Kommas oder Kommata

Diese kleinen Igelnadeln im Text sind sehr wichtig. Leider weiß kaum einer, wie sie richtig platziert werden und was noch viel schlimmer ist, sie verleiten dich, Schachtelsätze zu schreiben, wie diesen hier.

Ich dem Fall mach ich es sehr kurz: Weglassen. Du bist dir unsicher, ob da ein Komma hingehört? Lass es weg. Setzte einen Punkt und schreibe einen zweiten Satz. Wenn du kurze Sätze kannst. Dann darfst du dich gerne üben, auch Kommas zu benutzen.

Falls du es nicht wusstest: Du darfst Kommata oder Kommas schreiben. Es ist beides richtig. Da sich Kommas durchgesetzt hat und für die meisten LeserInnen verständlicher ist, habe ich mich für Kommas entschieden.

5. Fehler: langweiliger Schreibstil

Gähn. Wenn deine Texte langweiliger sind als der Online-Strickkurs deiner Oma Gerda ist. Dann hast du definitiv ein Problem. Jetzt denkst du dir: “Moment, ich habe doch die Beamtensprache eliminiert, wie kann mein Text jetzt noch langweilig sein?”

Ja, das Frage ich mich auch. Es gibt Texter, die schaffen es aktiv zu schreiben und dennoch langweiliger als der Gottesdienst zu sein. Und selbst der ist in den Jahren besser geworden.

Nun ist die Beamtensprache raus und was fehlt jetzt noch? Was braucht dein Text, um vom Einheitsweihrauch der anderen aufzudampfen: Witz, Kreativität, Emotionen oder Spontanität? Alles soweit richtig. Aber keins davon hilft dir so sehr wie:

Mut.

Ja, das klingt irgendwie wenig verblüffend. Du wolltest eher was Spektakuläreres lesen. Was dich mitreißt und deinen Schreibtisch umkippt.

Dennoch, dieser Punkt fehlt sehr häufig. Menschen sind korrekt. Manchmal so sehr, dass sie nicht mal trauen, ihre Pfandflaschen darauf zu verwetten. Und genau diese Korrektheit (<– Vorsicht so nicht schreiben) ist fatal. Mein Lebensmotto lautet:

“Erledigt ist besser als perfekt”
Sheryl Sandberg

Ich liebe dieses Motto von Sheryl, weißt du warum? Es reißt genau diese Korrektheit einfach raus wie eine Seite aus deinem Lieblingsbuch. Ja, das ist fies, aber du kennst die Seite eh auswendig.

Dein Fokus ist: Erledige deine Arbeit. 90% ist besser als 100%. Ja sowas soll es geben. Damit hakst du gleich mehrere Sachen gleichzeitig ab:

  • Du bist schneller, weil es nicht perfekt sein muss.
  • Du wirst fertig, weil es nicht perfekt sein muss.
  • Du traust dich mehr, weil es nicht perfekt sein muss.

Der Mut kommt mit dieser Methode von alleine. Deswegen lass die Korrektheit und Perfektionismus irgendwo liegen, vergrabe sie so tief in eine Ecke deines Gehirns, wo du sie vergisst. Und nie wieder drauf zugreifst. Was dir hilft, nach dem Motto zu leben:

Eine Uhr.

Genauer eine Zeituhr bzw. Timer, falls dein Deutsch eingerostet ist. Zum vielen Englisch in Texten komme ich im nächsten Punkt zu sprechen.

Stell dir also eine Zeituhr ein. Und nur solange darf die Aufgabe dauern. Niemals länger.

Vielleicht noch eine Nachkorrektur. Falls du jetzt schon weißt, beim nachbearbeiten wirst du zu perfekt ran gehen. Dann stelle dir auch da ein Zeitlimit ein. Und danach ist Schluss. Du gibst ab, stellst es online, verkaufst es oder was auch immer damit geschehen soll. Schnapp dir sofort die nächste Aufgabe, gleiche Vorgehensweise.

So schaffst du mehr zu erledigen und mutiger zu sein. Und während du das immer häufiger tust, wird deine Arbeit automatisch besser werden. So schaffst du vielleicht die 99 % von 100 % zu erreichen.

Und genau das überträgst du aufs Schreiben. Dein Schreibstil kann dann nicht mehr langweilig sein. Du schreibst automatisch, wie du redest, weil es schneller geht und dir leichter fällt. Du wirst mutiger, weil deine Texte besser bei den Lesern ankommen. Und am Ende des Tages hast du mehr geschafft, als du dachtet. Der nächste Tipp wird dabei helfen, noch mehr von dir zu zeigen.

6. Fehler: Zu wenig von dir.

Geschichten sind was Tolles. Wir alle lieben Geschichten. Nichts ist spannender als der Tratsch in der Kaffeepause oder die Nachbarin beim Paketabholen, die über die neuen Mieter “berichtet”. Sobald Geschichten erzählt werden, hören wir zu. Wir können gar nicht anders.

Das erlebe ich schon bei meinen Kindern. Mir erzählen sie natürlich nichts. Aber sobald sie im Zimmer sind und mit ihren Freunden telefonieren, geht es los. Da ich ja eine wundervolle Mutter bin, spioniere ich sie nicht aus.

Manchmal reden sie aber so laut, dass ich zufällig beim Vorbeigehen doch einiges mitbekomme. Da geht es um eine neue Schülerin Anna und wie schüchtern sie ist. Um Ben, der mal wieder mit Gummibändern Papierkugeln auf die Mädels geschossen hat.

Du siehst, es ist spannend dabei zuzuhören, was andere zu erzählen haben. Ich erfahre da mehr über das Leben meiner Kinder als am Esstisch. Ein Grund, warum Soaps auch so gut funktionieren. Und was im Fernseher funktioniert, klappt natürlich auch mit Texten. Jetzt könnte ich also sagen, schreibe einfach immer eine Geschichte zu deinem Text. Das ist besser als ohne, aber das reicht noch nicht.

Von dir oder jemand anderes. Alles das Gleiche?

Den auch da kannst du Fehler machen. Geschichten von anderen Menschen können spannend sein. Manchmal passen diese auch super zu deinem Thema. Dann tu es und benutz sie. Aber nicht nur, denn auf Dauer wird auch das für deine Leser semiinteressant. Vor allem Geschichten über Prominente, die im Regelfall jeder kennt, machen dein Thema als Dauereinsteiger schläfrig.

Schreibe also besser Geschichten über dich. Jetzt denkst du, in deinem Leben passiert nichts Spannendes? Aber das ist doch der Trick, die Art, wie du darüber schreibst, kann jede noch so banale Situation interessant machen.

Du bist der Typ: Bloß nichts von sich erzählen? Tja, dann hast du das falsche Business gewählt. Wer im Internet schreibt, ist präsent. Wenn du unsichtbar dein Geld verdienen willst, kannst du nachts Büros reinigen oder im Parkhaus den Aufseher machen.

7. Fehler: Denglischt du schon oder kannst du noch deutsch?

Ja, Deutsch ist eine schwere Sprache. Dennoch frage ich mich, ob sich Englisch deswegen zum überirdischen Trend entwickelt hat. Manchmal, aber nur manchmal lese ich andere Blogs, und dann begegnet mir so was:

“Dein Kunde macht eine beeindruckende Customer Journey durch die vielen Features, Benefits und Content, die du ihm bietest. Die Customer Experience wird dadurch ebenfalls viel smarter. Und du arbeitest gleichzeitig an deinem Mindset (schlimmste Wort). Wäre das nicht total cool.”

Ich nenne jetzt bewusst keine Quelle. Das habe ich natürlich etwas umgeschrieben, will ja niemanden auf die Hände treten. Wenn ich dann so was lese, frage ich mich oft, wieso schreibt der Autor nicht gleich in Englisch. Ist es nicht viel aufwendiger, die deutschen Wörter um die Englischen drumherum zu werkeln?

Ich bin keine Deutschlehrerin, die dich ermahnt und die dich vor allen in die Ecke stellt (manchmal doch). Dennoch bin ich überzeugt, weniger Englisch ist besser.

Ich sage nicht nutze nie englische Begriffe, wir alle tun es und es ist normal. Ich benutzte auch das Wort Business statt Geschäft. Da ich beim Letzteren eher an den Toilettengang denke. Aber wenn in jedem Satz gleich zwei oder mehr auftauchen, dann ist nicht mehr “cool”.

Es wirkt, als traust du deiner eigenen Sprache nicht mehr zu. Oder du solltest dich ernsthaft fragen, ob du nicht gleich auf Englisch schreibst. Ist ja kein Verbrechen, nur eine Option. Ich könnte jetzt als Fazit so was schreiben wie: Versalze, nicht das Sushi. Aber ich denke, du hast verstanden, um was es geht.

Werde auch da kreativ, für jedes englische Wort gibt es ein Deutsches. Wenn nicht erfinde, es, umschreibe es. Ist meist eh besser, als direkt auf den Punkt zu kommen.

Das wars. Ich hoffe du konntest für dich was mitnehmen. Was ist dein schlimmster Fehler? Du kannst auch gerne Anonym bleiben :). Ich freue mich auf dein Kommentar.

Starte textvoll

Deine Désirée

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